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Jacobita-Delfin

Der Jacobita-Delfin (Cephalorphynchus commersonii), der auch als Commerson Delfin bezeichnet wird, zählt mit einer Körperlänge von maximal 1,7 m zu den kleinsten Delfinarten. Ausgewachsene Tiere erreichen ein Gewicht von selten mehr als 50 kg.

Jacobita-Delfine sind auffällig schwarz-weiß gefärbt mit einem schwarzen Kopf und Hinterende sowie schwarzen Flossen bei einem weitgehend weißen Körper. Lediglich die Jungtiere weisen anfänglich eine eher schwarz-graue Musterung auf. Die Geschlechter kann man äußerlich an der markanten Form eines schwarzen Flecks auf der Körperunterseite unterscheiden, der bei Männchen tropfenförmig und bei weiblichen Tieren hufeisenförmig ist.

Jacobita-Delfine haben einen kompakten, stämmigen Körper mit einem kegelförmigen Kopf und einer kurzer Schnauze mit abfallender Stirn. Die Vorderflossen (Flipper) sind relativ klein und rundlich und auch die Rückenflosse (Finne) ist mehr rundlich als spitz.

Jacobita-Delfine leben in Kleingruppen von zumeist weniger als 10 Tieren. Nur ganz selten schließen sich die Tiere auch einmal zu größeren Gruppen zusammen. Sie sind schnelle Schwimmer, die auch häufig auf Brandungswellen reiten und nicht selten aus dem Wasser springen. Ihre Nahrung besteht vornehmlich aus kleinen Fischen und Tintenfischen, die bei schnellen Schwimmmanövern erbeutet werden.

Nach einer Tragzeit von gut 1 einem Jahr bringt ein Weibchen gewöhnlich ein Jungtier zur Welt, das bei der Geburt etwa einen halben Meter groß und ca. 6 kg schwer ist, und das bis zu zwei Jahre gesäugt wird. Mit etwa 5 bis 9 Jahren erreichen die Tiere ihre Geschlechtsreife. Die durchschnittliche Lebenserwartung im Freiland liegt bei etwa 10 Jahren. Der älteste bekannte Jacobita-Delfin war der lange Jahre im Zoo Duisburg gehaltene JOGI, der ein sehr hohes Alter von 32 Jahren erreichte.

Interessanterweise erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Jacobita-Delfine über zwei weit voneinander getrennte Regionen. Die größte Population lebt in den Küstengewässern am Südende Südamerikas, von Chile und Argentinien bis nach Feuerland. Eine zweite Population lebt um die Kerguelen Inseln fern ab im Indischen Ozean.

In ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gelten Jacobita-Delfine noch nicht als bedroht, obschon die Tiere, wie andere Delfinarten auch, häufig als unerwünschter Beifang in Fischernetzen zu Tode kommen und speziell in Chile und Argentinien als Köder für die Fisch- und Krebsfischerei gejagt werden.

Geschichte der Jacobita-Delfinhaltung im Zoo Duisburg

Mit den ersten Erfolgen in der Haltung von Großen Tümmlern, Weißwalen und Flussdelfinen wuchs in den 1970er Jahren das Interesse, auch andere bis dato nahezu unbekannte Delfinarten zu halten, um mehr über diese Tiere zu erfahren, und um interessierten Zoobesuchern diese Tiere näher zu bringen.

In insgesamt drei Expeditionen, die den damaligen Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt nach Südamerika führten, konnten in den Jahren 1978, 1980 und 1984 insgesamt 14 im Freiland gefangene Jacobita-Delfine nach Duisburg verbracht werden, die zusammen mit den bereits seit 1969 in Duisburg lebenden Weißwalen im sogenannten Walarium untergebracht wurden.

Allerdings verliefen nicht alle Importe nach Wunsch, denn nicht wenige der nach Duisburg überführten Tiere zeigten erhebliche gesundheitliche Schädigungen und überlebten nicht lange. So wiesen nahezu alle Tiere hohe Mengen an Giftstoffen im Körper auf, hervorgerufen durch die nicht unerhebliche Gewässerverschmutzung mit Rohöl und Schwermetallen in den Meeresregionen vor Südamerika.

Nur vier Tiere überlebten, von denen das Männchen JOGI zum Rekordhalter avancierte, denn das Tier erreichte ein Lebensalter von 32 Jahren und wurde damit fast doppelt so alt wie der zweitälteste bekannte Jacobita-Delfin.

Bei den überlebenden Tieren handelte es sich ausschließlich um männliche Tiere, so dass eine Zucht bedauerlicherweise nie möglich war, zumal keine weitere Expedition geplant war und auch anderswo kaum Jacobita-Delfine gehalten wurden, die europaweit nur im Zoo Duisburg zu sehen waren.

Im Jahr 2004 beendete der Zoo Duisburg die Haltung der Jacobita-Delfine, ebenso wie die Haltung der Weißwale. Für beide Arten bedurfte es einer neuen Beckenlandschaft, da das alte Walarium in die Jahre gekommen war, baufällig war und letztendlich nicht mehr den modernen Haltungsvorgaben entsprach. So entschloss sich der Zoo Duisburg die letzten Vertreter der Jacobita-Delfine und Weißwale nach SeaWorld San Diego in Kalifornien/USA abzugeben, wo JOGI im Höchstalter starb.


medizinische Daten

Über den folgenden Link können Sie sich die medizinischen Daten der Tiere für die entsprechenden Jahre ansehen ansehen.

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1970-79 1980-89

Futterdaten

Über die folgenden Links können Sie sich die Futteraufnahme pro Tag für das entsprechende Jahr ansehen.
rot - noch nicht vorhanden; gelb - unvollständig; grün - vollständig
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1978 1979
1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989
1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
2000 2001 2002 2003 2004